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Hot Hot Chip

Hot Chip - Hamburg, Übel & Gefährlich, 11.03.2010

Destiny’s Child und The Pogues, Steeldrums und Detroit Techno, Talent und Stardom. Begriffe, die nur wie Antonyme wirken, doch einmal zusammengebracht eine verdammt sinnige Symbiose eingehen können. Klar – wer denkt, dass Pop, griechische Mythologie-Ästhetik und Kuhglocken nicht zusammen gehören, der hat Hot Chip noch nicht live gesehen. Elektronische Housemusik in allen Klangformen, die live und im Studio mit der Manneskraft von fünf Briten und mindestens dreimal so vielen Instrumenten kreiert wird, statt nur mit Laptop und Soundprogramm. In den legendären Hamburger Club „Übel & Gefährlich“ kommen Hot Chip am 11. März sogar mit mehreren Gitarren, Schlagzeug, Bongos, Keyboards, Groovebox, Flügelhorn, MPC und einer Steel Drum.

Die dichte Instrumental-Landschaft erhebt sich vor drei schönen Wandteppichen im Stil des aktuellen Albums, „One Life Stand“ und der gleichen Büste, die auch auf dem Cover prangt. Welcher große Philosoph oder welche griechische Gottheit da offenbar so von Bedeutung für die Band ist, dass sie sogar die Bühne mit ihr teilt, ist leider unbekannt. Nichtsdestotrotz scheinen sich Alexis, Joe, Felix, Al, Owen und die namenlose Unterstützung an den Drums wohl mit dem Steinkopf zu fühlen und tätscheln ihm auch mal während des Sets das Haupt.

Zu hören gibt es von Hot Chip natürlich besonders viel vom Neuwerk, darunter das unschlagbare „One Life Stand“ mit Steel-Drum-Einsatz, „Alley Cats“, das live die Album-Version noch toppt und den Song, den Kanye West gern geschrieben hätte, „I Feel Better“. Die Evergreens der älteren Alben, „Ready For The Floor“, „Hold On“ und „Boy From School“ werden unaufdringlich zwischengemischt und wirken durch neue Arrangements frisch wie beim ersten Dancefloor-Test. Es mag nicht verwundern, dass bei einem Konzert von Hot Chip tanzschweißnasse Shirts vorprogrammiert sind. Dass die Jungs ihrem Publikum nicht nur physisch, sondern durch die Nebelmaschine und die Hitze des Saals hindurch auch auf atmosphärischer Ebene so nahe kommen, ist jedoch genau das, was Hot Chip von so vielen Acts des Genres unterscheidet. Da sind es nur noch kleine Pluspunkte, dass Multiinstrumentalist Al Doyle während der Zwischenansagen lupenreines Deutsch spricht und die Band in der Halbzeit Wasserflaschen ins Publikum wirft.

Nach neunzig Minuten verabschieden sich die fünf musikalischen Herren dann schweißgebadet und mit vielen Danksagungen. Nur der Steinkopf bleibt stumm und starr auf der Bühne zurück. Aber… sehe ich da etwa ein Grinsen in seinem Gesicht?

Posted by Lisa Weil@10:52Uhr

Krach mit Frauen [5]: Talk Normal

Talk Normal sind Andrya Ambro (Drums, Gesang) und Sarah Register (Gitarre). Seit etwas mehr als 2 Jahren sind die Beiden nun schon ein fester Teil der quicklebendigen New Yorker No Wave und Noise Rock Szene. Bislang standen sie eher im Schatten ihrer männlichen Kollegen von Mouthus, Religious Knives and Sightings. Mit ihrer neuen EP „Secret Cog“ könnte sich das allerdings ändern.

Talk Normal „Secret Cog“ weckt klare No Wave Reminiszenzen. Sarahs repetitive Gitarrenlicks schmirgeln wie Schleifpapier auf den Ohren, während Andryas Stakkato-Drums dem sicheren Abgrund entgegen galoppieren. Das atonale Gewitter wird von spärlichen Spoken Word Fetzen komplettiert. Die EP kennzeichnet außerdem eine bedingungslose Hingabe zur hypnotischen Wiederholung. Songs wie das grandiose „Lemonade“ zeigen den männlichen Testosteronbanden wie intelligent No Wave heutzutage noch klingen kann.

Marnie Stern sprach die Girls bereits heilig. Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Großartig! Unbedingte Empfehlung.

www.myspace.com/talknormaltalknormal

Posted by Sascha Milivojevic@09:48Uhr

Heiße Ohren [5]. The Social und O.Children

Wer behauptet New Wave und Post Punk wären tot, der hat diese beiden Bands vielleicht noch nicht gehört. Es wird Zeit! Die Nachspielzeit läuft schon

O.Children

Das englisch-französische Quartett, das in der Weltmetropole London ein vorübergehendes Zuhause gefunden hat, ist bereits in aller Munde. Seit einigen Wochen rollt die berühmte Hypewelle unaufhaltsam durch das Internet. Man findet kaum eine Seite, wo nicht schon etwas über sie geschrieben wurde. Immer wieder stolpert man über dieses, eine verdammte Lied namens „Dead Disco Dancer“.

Jeder der das dazugehörige Video noch nicht gesehen hat, sollte sich entweder endlich einmal eine Interverbindung checken oder sein Surfverhalten überdenken. Hier noch eine letzte Chance:



Ganz aus dem Nichts kommen O.Children nicht. Sänger Tobias und Gitarrist Gaultier hatten vorher eine New Rave Band mit dem provokanten Namen Bono must die. Man kann sich denken wie das ausgegangen ist. So war nach ein paar Anwaltsbesuchen und einigen Drohgebärden der Bandname Geschichte. Die Beiden probierten es unter ein paar anderen Namen immer wieder alleine bis endlich Bassist Harry und Drummer Sleath dazu stoßen. Fortan heißen sie wie ein Nick Cave Song und klingen wie eine Joy Division Reinkarnation.

Man darf gespannt sein, ob das Album den hohen Erwartungen standhält. So richtig überzeugt bin ich noch nicht.

www.myspace.com/ochildren

The Social

The Social kommen ebenfalls aus London. Nur klingen sie weit aus englischer als O.Children. Das Quartett macht mit ihrer ersten EP „A Call To Arms“ in etwa da weiter wo The Smiths im Jahre 1987 aufgehört haben. Die Musik ist treibend - ja fast frenetisch. Die Rhythmussektion ist tight und sie haben diesen herrlich-britischen 80er Jahre Gitarrensound, den ich so sehr liebe. Die tiefe, charismatische Stimme von Sänger Laurence Hussey ergänzt den sehr guten ersten Eindruck nicht nur sie gibt dem Bandsound das nötige Je ne sais quoi. Insgesamt eine ziemlich runde Sache. Meine Empfehlung!



www.myspace.com/thesocialuk

Posted by Sascha Milivojevic@09:29Uhr

Heiße Ohren [4]: My Gold Mask

Was als kleines Home Recording Projekt in einem Badezimmer begann, hat mittlerweile Next Big Thing Potential erreicht.

My Gold Mask Als ich vor einigen Wochen in irgendeinem Internethinterhof auf das Chicagoer Artrock Duo My Gold Mask und ihren Song „Bitches“ stieß, war ich sofort hin und weg. Das Lied hatte es mir regelrecht angetan - der rohe Sound, der dunkle Drumbeat, das fantastische Gitarrenriff und die großartigen Vocals von Gretta Rochelle. Sehr geil.

Der Song steht zusammen mit drei anderen Tracks zum freien Download auf der Bandwebsite bereit. Unbedingt anhören!

Bitches
Your Coo Ka Choo
Monomania
Bitches (The Hood Internet REMIX)

Ihr in Eigenregie aufgenommenes, selbst betiteltes Debüt Album erschien vor einigen Wochen. Das Album steht hier zum Kauf bereit und den Preis könnt ihr sogar selbst bestimmen. Lohnt sich!

www.myspace.com/mygoldmask

Posted by Sascha Milivojevic@10:00Uhr

Heiße Ohren [3]: Fan Death und Parallels

Glass Candy, Chromatics, Hercules & The Love Affair und Sally Shapiro waren die wichtige erste Atemspende für die etwas muffelig gewordene 70er Jahre Disco. Mit Fan Death und Parallels rollt nun bereits die zweite Welle an. Diese kommt in beiden Fällen aus Kanada und bezaubert mit ihren melancholischen Disco Symphonien schon seit einigen Monaten die Blogosphäre.

Fan Death

Fan Death ist ein Kunstprojekt. Die zwei bildhübschen Damen, die offensichtlich dahinter stecken, geben sich gerne mysteriös. Ihre Namen geben sie nicht Preis. Der mystische Ort Grey Garden aus dem sie angeblich kommen existiert nicht wirklich. Hier diente ein fiktiver Dokumentarfilm als Inspirationsquelle. Etwas Detektivarbeit ist nötig um Vancouver als wahren Herkunftsort zu enttarnen.

Fan Death Auch ihr Bandname trägt etwas Mystisches. Ein südkoreanischer Großstadtmythos besagt nämlich, dass ein über Nacht laufender Ventilator in einem geschlossenen Raum zum Tode führen kann. Ihre Musik ist ebenso ungreifbarer. Grazile Engelsstimmen wehen durch melodiöse Synthieflächen, während vom Himmel fallende Streicher sicher auf modänen Midtempo-Rhythmen landen und ganz fiese Ohrwürmer schon ihr nächstes Überfallkommando planen.

Auch ihre aktuelle Single ist Futter für das rätselhafte Image der Band. „Veronica’s Veil“ bezieht sich auf ein katholisches Relikt. „Das Schweißtuch der Veronika ein Gegenstand der christlichen Legende. Nach der christlichen Überlieferung hat Veronika ihr Tuch Jesus von Nazaret auf dessen Weg nach Golgota gereicht, um Schweiß und Blut von dessen Gesicht abzuwaschen. Dabei soll sich das Gesicht Jesu auf wunderbare Weise auf dem Schweißtuch als sogenanntes Veronikabild eingeprägt haben.“ (Wikipedia)



In ihrem Presseheft steht folgendes geschrieben: “We want to make music that recalls the greatest era of electronic pop: Depeche Mode, OMD, New Order, Human League, Soft Cell and Pet Shop Boys. Great songs that happened to be electronic, not soulless, repetitious club music that seems to dominate these days." Ich würde sagen das klingt mehr als sympathisch!

Diese beiden Damen sollte man definitiv auf dem Next Big Thing Zettel haben.

www.myspace.com/fandeath

Parallels

Parallels Parallels ist ein Disco-Projekt des Crystal Castles Drummers Cameron Findlay und der bezaubernden Sängerin Holly Dodson. Ihren Sound könnte man als atmosphärischen Disco Pop mit leichten EBM Zwischentönen beschreiben. Anne Clark wäre eine gute Referenz. Ihre auf nur 500 Stück limitierte Debüt EP „Ultralight“ erschien Ende Mai auf Thisisnotanexit Records. Die drei darauf enthaltenen Songs sind schlichtweg fantastisch. Gerade der Titeltrack ist ein richtiges Disco-Dance Prachtstück. Die durch Hollys Gesang ständig aufkommenden Madonna Erinnerungen machen alles nur noch schöner. Wie es aussieht müssen sich die Crystal Castles demnächst einen neuen Live-Drummer suchen. Parallels geht nämlich ziemlich steil nach vorne.

www.myspace.com/parallelsmarigold

Posted by Sascha Milivojevic@09:29Uhr

Wavves - No Hope Kids

Ich liebe dieses Lied!

Posted by Sascha Milivojevic@09:18Uhr

Posted by Sascha Milivojevic@11:28Uhr

Krach mit Frauen [4]: Micachu

Die junge Dame aus London mischt die eingeschlafene, britische Indieszene mit selbst gebastelten Instrumenten und schrägen Sounds auf.

Mica Levi heißt das musikalische Megatalent im bürgerlichen Leben. Mit 4 Jahren komponiert Mica ihre ersten Stücke. An der Purcell Musikschule in London lernt sie das Geige- und Bratschespielen. An gleicher Stelle beginnt sie auch ihr Kompositionsstudium. Ein Stipendium bringt sie an die renommierte Guildhall School of Music and Drama. Mit 20 Jahren schreibt sie ein Stück für die Londoner Philharmoniker und im April 2008 wird das Stück in der Royal Festival Hall uraufgeführt.

Nebenher macht sich Mica einen Namen in der Londoner Grimme und Garage Szene. Sie tritt als MC und DJ in Erscheinung, nimmt mit Freunden ein Mixtape namens „Filthy Friends“ auf, verbreitet es über ihre Myspace Seite und erobert damit auf Anhieb die Londoner Clubszene. Zuhause bastelt sie unterdessen fleißig an eigenen Instrumenten und nimmt die ersten Stücke unter ihrem Alias Micachu auf. Als zwei Freunde von der Hochschule dazustoßen wird daraus schnell Micachu & The Shapes.

Micachu and The Shapes Nach einer Single bei Accidental Records werden ziemlich schnell größere Labels auf die Band aufmerksam. Kurz vor der Veröffentlichung ihres Debüts, nimmt Rough Trade die Band unter Vertrag. Im März 2009 erscheint dann endlich das lang ersehnte Debüt „Jewellery“.

Herausgekommen ist ein unglaublich buntes Potpourri an kurzweiligen und extrem frischen Songfragmenten, die trotz Experiment und Strukturlosigkeit immer irgendwie nach Pop schmecken. Micachu dirigiert den hyperaktiven Sound-Kindergarten mal mit grime-igen Raps, mal mit jungenhafter Stimme. Schräge Samples, grimmige Beats und Lo-Fi-Schrammelgitarren bestimmen die stets tanzbare Szenerie. Einen ehrbaren Platz in Micachus Krachkosmos haben auch noch ein Staubsauger, ein paar klirrende Gläser, zwei blecherne Töpfe, ein Besen und ein Duzend selbst gebastelter Instrumente.

Hört sich lustig an? Ja, ist es. Aber vor allem ist es ganz ganz ganz ganz fantastisch!



www.myspace.com/micayomusic
Video: Micachu & The Shapes - "Golden Phone"

Posted by Sascha Milivojevic@09:41Uhr

The Twilight Sad – I Became A Prostitute

Das neue Twilight Sad Video!

The Twilight Sad haben endlich die ersten Details bezüglich ihres neuen Albums bekannt gegeben. „Forget The Night Ahead“ wird am 5. Oktober über FatCat Records erscheinen. Am 3. August erscheint vorab schon mal eine Single namens “I became a prostitute”. Das burlesque Video dazu könnt ihr euch jetzt schon anschauen.



Fantastisch würde ich sagen. Meine Vorfreude wächst!

Posted by Sascha Milivojevic@14:14Uhr

Krach mit Frauen [3]: Pocahaunted

Sie nennen sich selbst die „Olson Zwillinge des Drone“.

Pocahaunted sind Amanda und Diva, zwei Hippiemädchen aus Brooklyn, New York. Ein Faible für Indianer-Ästhetik eilt ihnen voraus. Ihr hypnotisierendes Ethno-Tribal-Dub-Psychedelic-Drone-Gebräu ergänzt das freakige Bild der Beiden ziemlich perfekt.

pocahaunted Pocahaunted sind zweifelsfrei eine der interessantesten Erscheinungen im Männer dominierten Drone Experimental Universum. Außerdem ist bei den beiden Mädels nicht alles so düster wie es auf den ersten Blick vielleicht aussehen mag. In Interviews geben sich die Damen gerne humorvoll und kommentieren Fragen nach dem Indianer-Hippie-Ethno Image, das sie umgibt, gerne euphorisch-ironisch.



Ihr musikalischer Output beruht größtenteils auf Jam-Sessions, sogenannten One-Take-Recordings. Die Pocahaunted Diskografie ist dementsprechend unübersichtlich. Sie umfasst jede Menge Tapes, CDs, CD-Rs, LPs, EPs und 7 Inches auf den verschiedensten Labels. Wobei ein Großteil der Veröffentlichungen immer noch über Amandas Label Not Not Fun Records releast wird. Not Not Fun bietet gerade eine sehr gute Label Compilation zum freien Download an. Damit bekommt man einen fantastischen Einblick in die Szene und ein Label, das inzwischen zum heimlichen Drone-Mekka herangewachsen ist.

Not Not Fun Compilation - Tracklisting:
01 Ducktails, “Gem” (S/T LP/CD)
02 Pocahaunted, “Time Fist” (edit) (Bored Fortress 7″)
03 NASA, (Track Two off Diamonds & Wood)
04 Absinthe Minds, (B1 off The Song Of Returning Light)
05 Secret Abuse, “I Stole A Gun That Sings With Joy/Rib of His God” (NNF119 7″)
06 Sun Araw, “Beams” (Beach Head)
07 Mythical Beast, “River Blindness” (Scales)
08 Odd Clouds, (Track Two off Deceiving Illusion LP)
09 Topaz Rags, “Tarot Harem” (Tarot Harem 7″)
10 U.S. Girls, “Rise + Go” (NNF141)
11 Vibes, “Shake It Off” (You God It)
12 Peaking Lights, “All The Good Songs Have Been Written” (Imaginary Falcons)

Unbedingt downloaden!

Wer an den schaurig-schönen Pocahaunted Kompositionen gefallen gefunden hat, sollte gleich noch ein Nebenprojekt der beiden Damen auschecken. Es geht um die Not Not Fun Supergroup Vibes. Herrlich schmutzigerer Protest-Funk. Ziemlich tanzbar!

Vibes Links:
www.myspace.com/pocahaunted
www.notnotfun.com/pocahaunted
www.notnotfun.com/

Posted by Sascha Milivojevic@10:03Uhr

Krach mit Frauen [2]: Zola Jesus

In biederen Ohren verbreitet Zola Jesus Angst und Schrecken. Mit ihrem tollen Auftritt beim legendären SXSW Festival spielte sie sich dennoch ziemlich souverän in die hippen Herzen der Blogosphäre.

Zola Jesus Hinter dem Moniker Zola Jesus verbirgt sich die 19-Jährige Nika Danilova. Die Todesfee, wie Danilova inzwischen gerne genannt wird, zählt zu den Speerspitzen einer neuen Lo-Fi Goth Bewegung. In diesem Zusammenhang taucht auch gerne der Begriff Crimson Wave als neues Subgenre auf. Crimson Wave (steht im Englischen umgangssprachlich für die weibliche Menstruation) bezieht sich dabei ausschließlich auf die neue von Frauen dominierte Lo-Fi Noise Bewegung.

Zola Jesus terrorisiert und narkotisiert den Hörer gleichermaßen. Ihre Musik ist in höchstem Maße konfrontativ. Ein besessenes Klavier kreist über dichtem Maschinenwerk, durch den Industriepark hallt eine verzerrte Stimme, während repetative Drum-Beats, noisige Keyboard-Drones und qualmende Effektgeräte den Hörer zum Teufel schicken. Ein musikalisches Freundschaftsangebot klingt anders. Doch gerade diese provokant-düstere Atmosphäre zieht einen fast magisch in seinen Bann und lässt einen nur schwer wieder los.

Ich kann die beiden Zola Jesus Veröffentlichungen nur wärmstens empfehlen. Die „New Amsterdam“ CD-R erschien Anfang des Jahres auf Sacred Bones Records und die hervorragende „Tsar Bomba“ EP wurde vor wenigen Wochen auf Troubleman Unlimited veröffentlicht.

www.myspace.com/zolajesus

Posted by Sascha Milivojevic@09:25Uhr

Krach mit Frauen [1]: U.S. Girls

Wer bei dem Namen an junge Mädchen in Cheerleaderkostümen denkt und dahinter die nächste Girlgroup vermutet, liegt natürlich völlig falsch.

U.S. Girls ist Megan Remy. Mit einem kleinen Koffer bewaffnet, verbreitet die junge Frau aus Chicago einen hausgemachten Strudel aus hoffnungslosen Percussion Loops, verzerrten Vocals, dumpfen Samples und kaputten Noisepopdrones. Der ideale Soundtrack für einen nebelverhangenen Sonntag kurz nach der atomaren Katastrophe.

U.S. Girls U.S. girls suggeriert musikalische als auch ästhetische Unabhängigkeit. Aufgenommen hat sie ihr Debüt „Introducing…“ in bester DIY Manier in den eigenen vier Wänden. Um das Artwork kümmert sie sich selbst. Für ihre einzigartigen Auftritte braucht sie nicht mehr als einen kleinen Koffer mit einem Mikro, zwei Stompbox Pedalen und einem alten Tonbandgerät.

Eine Atmosphäre aus Einsamkeit und Tristesse ist der Musik nicht abzusprechen, aber eine faszinierend-düstere Ästhetik ebenso wenig. "Introducing" erschien letztes Jahr auf dem fantastischen Siltbreeze Records Label.

www.myspace.com/usgirlsss

Posted by Sascha Milivojevic@09:53Uhr

Back to the basics

So lautet das Motto von Gravy Train Gitarrist Brontez Purnell. Mit seinem Soloprojekt The Younger Lovers kehrt er zu den musikalischen Wurzeln der Queer Bewegung zurück, dem Lo-Fi Punk.

Wer das als „Fuck You“-Reaktion auf die aktuellen Trends der Queer Szene deutet, liegt richtig. Brontez hat genug vom ewigen 80ies Synthie- und Electropop Wiedergekäue. Jetzt wackelt sein Arsch zu cheesy Lo-Fi Punkrock mit schwachsinnigen Beats.

 Brontez Purnell Das kurzlich veröffentlichte Album nennt sich „Newest Romantic“ und ist sogar in Deutschland erhältlich. Der Titel kam übrigens dadurch zustande, dass die 13 Songs ursprünglich für das nächste Gravy Train Album vorgesehen waren, nur leider waren den anderen Bandmitgliedern die Texte zu romantisch. Selbst schuld, kann man da nur sagen. Das Album ist ganz hervorragend geworden. Mit „Danny“ hat es sogar einen potentiellen Hit. Wer Nobunny, Mika Miko oder Vivian Girls mag, sollte The Younger Lovers definitiv auschecken. Alle anderen amüsieren sich zumindest mit den zwei sehr lustigen Videos.



Und noch eine kleine Anekdote: Nach einem Streit mit Jared Swilley von The Black Lips stand Brontez vor kurzem überall in den Schlagzeilen. Die ganze Geschichte entwickelte sich zu einem kleinen Skandal. Wer wissen will um was es ging kann das hier und hier nachlesen.

Posted by Sascha Milivojevic@10:01Uhr

I wish I was in Husker Dü

Weiße Mittelklasse-Twens aus London, ohne richtigen Job, machen Musik, als wären sie die unehelichen Söhne einer Pavement - Art Brut Liaison.

Let’s Wrestle Let’s Wrestle schreiben diese charmanten 3 Minuten Pop-Punk-Gute-Laune-Lieder, die wir alle so sehr lieben, aber viel zu selten zu hören bekommen. Die Songs sind genauso smart wie sie vorgetragen werden und die Lyrics sind so saucool, bitter und bescheuert, dass man vermuten möchte Stephan Malkmus hätte sie ihnen geflüstert. Den Namen haben sie einem David Shrigley Buch geklaut. Und ihre Musikvideos sind einfach nur herrlich hirnverbrannt. Überzeugt euch am besten selbst.



Ihr tolles Debüt „In The Court Of The Wrestling Lets” ist soeben erschienen. Anhören!

Posted by Sascha Milivojevic@14:19Uhr

A considerate one-night stand

Barr nennt sich das Spoken Word Projekt von Brendan Fowler. Und an Barr werden sich ganz gewiss die Geister scheiden.

Fowler, gebürtiger New Yorker, lebt mittlerweile in Los Angeles und ist im Umfeld des mittlerweile schon legendären The Smell aktiv. Er ist Performancekünstler, Musiker, betreibt ein Plattenlabel namens Doggpony Records und ist Mitherausgeber eines Kultur- und Kunstmagazins namens ANP Quarterly. Kurz gesagt: Brandan Fowler ist ein kreatives Multitalent.

Barr aka Brandan Fowler Bisher veröffentlichte Fowler zwei Alben unter seinem Moniker Barr. Sein Debüt „Beyond Reinforced Jewel Case“ erschien 2005. Zwei Jahre später kam der Nachfolger „Summary“ auf den Markt.

Auf beiden Langspielern bricht ein wahres Inferno an Worten über den Hörer herein. Fowler erzählt Geschichten, hält Monologe und diskutiert mit sich selbst. Es geht um das Leben, sein Leben, Politik, Liebe, Beobachtungen, Erkenntnisse, um Verluste, um das Scheitern und vieles mehr. Es ist nicht immer ganz einfach der Flut aus Worten zu folgen.

Begleitet von minimalistischen Arrangements aus Bass, Drums, Piano und Xylophone redet, sprechsingt, flüstert Fowler alles in Grund und Boden. "I'll talk about every inch of this thing, this record/ Every square fucking inch/ I'll fully talk this thing into the ground...", heißt es in “summary” und er hält sich an sein Worte

Mit Barr agiert Fowler weit abseits der platt gelegenen Easy Listening Wohlfühlzonen. Als Zuhörer bewegt man sich stets auf dünnem Eis, immer wieder bricht man ein und ertrinkt in der nackten Ehrlichkeit seiner Worte.

Posted by Sascha Milivojevic@10:38Uhr

Armageddon ecstasy creeping on the bedroom dancefloor

Letztes Jahr im Mai erschien das hervorragende Remix Album „Health//Disco“ der L. A. Noiserocker Health. In diesem Zusammenhang drang auch zum ersten Mal der Name Pictureplane an die Öffentlichkeit. Der Remix zu „Lost Time“ war erst der Startschuss.

Travis Egedy aka Pictureplane Hinter Pictureplane steckt Travis Egedy. Der junge Mann ist seit einigen Jahren eine treibende Kraft der kreativen Kunst und Musikszene rund um seine Heimatstadt Denver. 2005 zog er mit ein paar Freunden in ein verlassenes Warenhaus. Das sogenannte Rhinoceropolis entwickelte sich schnell zu der wichtigsten kreativen Brutstätte der Stadt.

Bands wie Health, High Places, Lighting Bolt, Abe Vigoda, Barr, Indian Jewelry und viele andere haben das Rhinoceropolis seitdem bespielt. Auch die dort veranstalteten wild-exzessiven Tanzpartys sind längst weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Genau auf diesen Partys übte sich Travis Egedy aka Pictureplane am Knöpfchen drehen und Tasten drücken. Wenn man das eigene Schlafzimmer freiwillig Nacht für Nacht zu Tanzfläche oder Konzertsaal umfunktioniert, dann muss man sich um die eigene Kreativität sicherlich keine Sorgen mehr machen.

Die Musik von Pictureplane ist genau so gesetzlos wie die Partys im Rhinoceropolis. Was da aus den Boxen dröhnt wird in Insiderkreisen gerne auch als Armageddon Ecstasy bezeichnet. Der Begriff reflektiert das Hörerlebnis ganz ausgezeichnet.

Sein 2008 veröffentlichtes Album „Slit Red Bird Throat“ badet gekonnt im Referenzbecken zwischen Dan Deacon, Animal Collective, Health und Gang Gang Dance. Wer badet nicht gerne in solch illustren Kreisen?



Neben seinen Pictureplane Aktivitäten hat Travis Egedy auch ein Faible für Art Performances. Auf seinem Youtube Channel sieht man wie er mit Pappmascheeponys ringt, wie er sich mit Sahne besprühen lässt oder wie er zu Madonna tanzt.

Diese Vorführungen stehen nicht selten im direkten Zusammenhang mit den philosophischen Essays, die er regelmäßig auf seinem Myspace Blog veröffentlicht. Diese Schriften sind sehr interessant und man sich ruhig die Mühe machen sie zu lesen. Da steckt sehr viel subversives Potential drin. Am 4. August 2009 erscheint auf Lovepump United sein neues Album „Dark raft“. Ich bin sehr gespannt.

Posted by Sascha Milivojevic@10:40Uhr

Big Spin EP-Release-Show

Bilder von der Big Spin EP-Release-Show am 27. Juni 2009 im Casa Nostra Böblingen, zusammen mit On Top Of The Avalanche aus Herrenberg und Zen Zebra aus Leipzig.

Posted by Lucas Mayer@11:00Uhr

Wölfin und Engel

Dass ich ein großer Dirty Projectors Freund bin, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Deswegen will ich euch zwei sehr interessante Frauen aus dem direkten Dirty Projectors Umfeld vorstellen.

Vuk

Vuk Emily Cheeger aka Vuk war von 2004 bis 2005 ein Mitglied der Dirty Projectors. Schon vor ihrem Ausstieg aus dem New Yorker Kollektiv arbeitete sie unter dem Namen Vuk auch als Solokünstlerin. Ihr Solodebüt „Exile“ erschien 2003 auf dem kleinen finnischen Label Verdura. Dieses Jahr im April kam dann der Nachfolger „The Plains“ auf den Markt. Diesmal kümmert sich das finnische Johanna Records um den Vertrieb.

Emily Cheegers Musik ist eine Spielwiese von verschieden Einflüssen und zeigt eine enorme Vielseitigkeit. Neben ihren finnischen Wurzeln, die immer wieder klar zum Vorschein treten, bemerkt man sofort eine Liebe zur vokalen Balkanmusik. Da wundert es auch nicht, dass ihr Künstlername aus dem Serbo-kroatischen kommt. Dort bedeutet Vuk Wolf. Auch der französische Chanson hat es ihr angetan, ebenso Blues und Gospelmusik.

In Vuks Musik steckt eine kindliche Neugier wie wir sie auch von Cocorosie, Hanne Hukkelberg oder Joanna Newsom kennen. Jeder Song hält eine neue musikalische Überraschung bereit.

„The Plains“ ist nicht nur eine musikalische, sondern auch eine emotionale Achterbahnfahrt. Man wird umschmeichelt, angeschrieen, belächelt, zerkratzt, verführt, vergrault und wieder hervorgelockt. Und wer möchte von einer Frau nicht so behandelt werden?

Deradoorian

Angel Deradoorian Angel Deradoorian ist seit 2007 bei den Dirty Projectors und mittlerweile auch nicht mehr wegzudenken. Ihre einzigartige Stimme ist inzwischen ein unverzichtbares Trademark der Dirty Projectors geworden.

Nun macht die junge New Yorkerin ihren ersten Soloausflug. Ihre Debüt EP „Mind raft“ erschien vor wenigen Wochen (am 5. Mai 2009) beim New Yorker Indielabel Lovepump United Records.

Für "Mind Raft" hat Deradoorian gleich eine illustre Liste an Gastmusikern und Helfern um sich herum versammelt. Dave Longstreth hat produziert, Mitglieder von Animal Collective, TV on the radio und Grizzly Bear dürfen musizieren. Im Mittelpunkt steht jedoch die undurchdringliche Aura von Deradoorians Stimme. Die wunderschöne Akustikballade „You carry the deed“ gibt einen guten Einblick in das hervorragende Ergebnis. I love it!



Wer die Dirty Projectors mag, sollte sich die tolle EP auf keinen Fall entgehen lassen. Alle anderen sollten weiter hart an ihrem Musikgeschmack arbeiten.

Posted by Sascha Milivojevic@14:33Uhr

Heiße Ohren [2]: Gay Beast

Einen Satz heiße Ohren für die Hipster. Minnesota's premier agit-prog queer band! Der Name ist Programm.

Gay Beast Wenn es um No Wave, Noise Rock oder Spazzcore geht, dann kommt man kaum am Chicagoer Skin Graft Label vorbei. Seit seiner Gründung 1991 versorgt uns das kleine Independent Label nach guten alten DIY Grundsätzen mit so fantastischen Krachmachern wie Melt Banana, AIDS Wolf, Mount Shasta, Dazzling Killmen, Pre, Flying Luttenbachers usw. Nun zählt die Skin Graft Familie ein weiteres Mitglied: Gay Beast.

Das No Wave Spazzrock Trio aus Minnesota passt da natürlich ganz prima hin. Daran lässt schon der Name kaum Zweifel aufkommen. Das erst kürzlich erschienene „Second Wave“ ist ihr inzwischen zweites Album und das erste auf Skin Graft. Im Vergleich zu ihrem sehr spastischen Debüt „Disrobics“ sind die neuen Songs sehr viel eingängiger. Trotzdem hat die Band deutlich an Heaviness gewonnen. „Second wave“ hat eine unglaubliche Dichte, lässt einen kaum Luft holen. Es bewegt sich auf einer schmalen Linie zwischen Tanzbarkeit und unkontrollierten musikalischem Spastizismus. Das Schlagzeugspiel von Angela Gerend ist gewohnt wild. Es überschlägt sich! Wenn Daniel Luedtke nicht gerade sein Saxophon hysterisch schreien lässt, sorgt sein Casio-Keyboard für einen konstant hohen überaus druckvollen Lärmfaktor. Isaac Rottos spielt die Gitarre so No Wave wie das nur geht.

Der Albumtitel „Second Wave“ gibt dann auch gleich die textliche Richtung der politisch aktiven Band vor. Er ist von der zweiten Welle der feministischen Bewegung inspiriert. Diese begann wie so vieles in den 60er Jahren und stütze sich dabei auf einen Aufsatz von Carol Hanisch, der persönliche Belange zu politischen Strategien erhob. Die daraus entwickelten Ideen waren oft so radikal, dass ihre Umsetzung nicht selten einer Utopie gleich kam. Der Band geht es genau um diese utopischen Visionen der Second Wave. Die theoretische Auseinandersetzung mit radikalen Ideen führt im Idealfall zu neuen Ideen, denn als Anhänger der Queer Bewegung geht es der Band selbstverständlich auch um aktives Handeln.

Genau das transportiert die Musik von Gay Beast ganz hervorragend. Sie fordert Aufmerksamkeit. Sie ist Aufschrei und Protest - bunt, harsch und radikal. Ich bin ziemlich begeistert.

Gay Beast Die LP mit hand-gemachten und –gemalten Klappcover ist hier zu kaufen.

Posted by Sascha Milivojevic@10:31Uhr

Posted by Sascha Milivojevic@10:26Uhr

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