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Animal Collective - Merriweather Post Pavilion

Animal Collective - Merriweather Post Pavilion

Domino (Indigo)

Verschlafen? Nicht aufgepasst? Da kann man sich schon mal verwundert die Augen reiben. Denn inzwischen steht da ein beachtlich großes Tier im Schlafzimmer des zeitgenössischen Musikkritikers. An dem spätestens jetzt KEINER mehr vorbei kommt.
Das berühmte H-Wort hat sie längst erreicht. Absurd irgendwie. Die Konsequenzen der animal’schen Verweigerungspolitik würde man woanders suchen. Dem avantgardistischen Underground sind sie jedenfalls schon lange entwachsen. Einen Namen hat ihre Musik deswegen aber noch lange nicht. „Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch“ sagte Faust zu Gretchen und er hätte auch im Falle von Animal Collective Recht gehabt.
Diese Musik ist einfach größer als Namen. Sie hat etwas Spirituelles und mit Sicherheit auch etwas Politisches. Kollektives Musizieren als popkulturelle Bewegung gegen das vorherrschende kapitalistische Ego. Animal Collective bieten jedenfalls die nötigen Projektionsflächen für jede Art von mythisch aufgeladenen Erlösungsfantasien. Und das kleine musikalische Wunder, das sich „Merriweather Post Pavilion“ nennt, macht alles nur noch schöner.
„Merriweather Post Pavilion“ ist die Quintessenz aller längst bekannten Animal Collective Großartigkeiten. Zudem ist die achte Etappe Ihrer Forschungsreise jenseits aller territorialen Genregrenzen ohne Zweifel die bisher Zugänglichste. Scheinbar hat man sich im Vorfeld etwas Zeit genommen um die bisherigen Forschungsergebnisse zu analysieren. Herausgekommen sind elf Songs, die nie einen Zweifel darüber aufkommen lassen mit wem man es hier zu tun hat.
Animal Collective sind seit jeher ein Synonym für musikalische Eigenständigkeit. Avey Tare (aka Dave Portner) und Panda Bear (aka Noah Lennox), die beiden Masterminds, symbiosieren ihre Fähigkeiten auf „Merriweather Post Pavilion“ wie nie zuvor. Der stets träumerische Panda Bear ist der melodieverliebte Klangforscher mit dem unverwechselbaren pophistorischem Instinkt, während Tare dem Kollektiv die nötigen Spuren von klassischer Songstruktur injiziert, um nicht gänzlich ungreifbar zu werden. Und nun greifen diese eigenartigen Rädchen endlich gänzlich ineinander.
Songs wie „My Girls“, „Summertime Clothes“ und „Brothersport“ zeigen auf beeindruckende Weise wie gut experimentelle Musik auch in ungeübten Mainstream-Ohren funktionieren kann. „My Girls“ ist eine mit Handclaps und tiefem Bass verzierte Elektro-Dance-Nummer, die mit den im wahrsten Sinne des Wortes verspulten Gesangslinien der beiden Sänger in Herz und Beine wächst. (“I don’t mean to seem like I care about material things like my social stance, I just want four walls and adobe slats for my girls.”) „Summertime Clothes“ ist ein heißer Nachtspaziergang von kaleidoskopischer Schönheit und die unweigerlich damit verbundene Gesangslinie „I want to walk around with you” brennt sich unter die Haut wie glühender Stahl. Schlusspunkt „Brothersport“ mit wilden Afrobeat-Anleihen und pumpenden Big Beat Gedächtnissamples macht sich, einmal im Ohr, sofort unsterblich.

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