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Double Dagger - More

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Thrill Jockey

Spätestens seit Ian MacKaye und Fugazi lechzen meine Ohren regelrecht nach politisch motiviertem Post-Punk-Hardcore-Ich-weiß-nicht-was. Da kommt das neue Double Dagger Album „More“ natürlich genau richtig. Das Trio aus Baltimore war trotz hervorragender Kritiken seitens der Fachpresse bislang nicht mehr als ein sehr guter Insidertipp. Das soll sich mit „More“, ihrem mittlerweile drittem Album, nun endlich ändern und die Vorzeichen stehen nicht schlecht.
Ihre Heimatstadt Baltimore, Maryland ist zurzeit die neue Musik-Trend-Stadt in den USA. Die pulsierende Musikszene vor Ort wird maßgeblich von zwei losen Künstlerkollektiven (Wham City und Wildfire Wildfire) vorangetrieben. Sie organisieren Konzerte und unterstützen die Bands vor Ort so gut es nur geht. Davon profitiert natürlich auch das Double Dagger Trio. Nicht ganz ungewollt ist „More“, der Titel des neuen Albums, auch ein Verweis auf BaltiMore.
Wer bei Trio automatisch an eine klassische Rockbesetzung denkt sieht sich schnell getäuscht. Auf dem Double Dagger Zutatenzettel steht nämlich Schlagzeug, Bass, Gesang. Eine Hardcore Punk Band ohne Gitarristen ist spätestens seit Death from above 1979 kein Paradox mehr. Jeder weiß man kann auch ohne Gitarre frenetisch rocken. So auch Double Dagger.
Und genau das zeigen die studierten Grafikdesigner auch auf ihrem neuen Album „More“. Es gibt nur wenige Bands die textlichen Intellekt so gut mit einer frischen, rauen - ja frenetischen Attitüde kombinieren. Der Song „Vivre sans temps mort“ ist hier ein ganz hervorragendes Beispiel. Während Sänger Nolen Strals lyrisch über den frühzeitigen Tod sinniert, braut sich im Hintergrund langsam ein groovendes Post-Hardcore-Gewitter in bester Fugazi Manier auf. Der Song zeigt auch sehr schön die musikalische Weiterentwicklung von Double Dagger auf. Wo früher gerne mal ohne Rücksicht auf Verluste drauflos gerockt wurde, nimmt sich die Band jetzt viel mehr Zeit für die Atmosphäre der einzelnen Songs. Sänger Nolen Strals tritt nun auch mal bereitwillig in den Hintergrund und lässt seinen Kollegen an den Instrumenten den nötigen Freilauf. Beides tut dem Sound von Double Dagger sehr gut.
Ein Grund für die deutlich spürbaren Veränderungen ist sicherlich im Entstehungsprozess des neuen Albums zu finden. Die Band wollte die Aufnahmen unbedingt ohne großen Zeitdruck angehen. Deswegen quartierte man sich samt Studio kurzerhand im fünften Stock einer mehrstöckigen Galerie in Baltimore ein. Es gab nur einen Nachteil an der Geschichte. Das Gebäude war nur bis zum dritten Stock ausgebaut. So war man gezwungen Stromkabel durch die Fenster nach oben zu verlegen. Da die Räume letztendlich zu klein für das Studio und die komplette Band waren, musste man das Schlagzeug in einem separaten Raum aufnehmen. Mit einem großen Loch in der Wand sicherte man sich zumindest die Kommunikationsmöglichkeiten.
Das sind sicherlich nicht unbedingt die komfortabelsten Umstände gewesen. Aber es hat sich hörbar ausgezählt. Man hat wichtige Aufnahmezeit gewonnen und den tollen rohen Sound des Albums hätte man woanders nicht besser hingekriegt. Das Ergebnis der Mühen ist ein insgesamt richtig geiles Album. Was will man als Band „more“?

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