Faraday - The Dying Art of Composure
RAT/O Records
Es geschah am 12. Mai bei der PopUp in Leipzig, als die Jungs von Faraday mir ihre EP mit den Worten in die Hand drücken "Wollt Ihr vielleicht unsere neue CD reviewen?". Merkliche Vorfreude stellte sich bei mir ein, als ich weitere Informationen bekam: "Postrock, selbst produziert und GEMA-frei auf unserem eigenen Label RAT/O Records herausgebracht", sehr lobenswert nenne ich diese Art von Kreativität.
Mein CD-Player steht auf repeat, ich warte seit mehreren Durchläufen der CD darauf den Drang zu verspüren die Stopptaste drücken zu wollen. Außerdem brummt mir der Schädel - Aspirin bereits intus - was für eine Bewährungsprobe! Nein, ich denke nicht einmal daran die Musik von Faraday auszumachen. Ständig entdecke ich etwas neues, Details, die mir im letzten Durchlauf scheinbar entgangen sind. Diese EP ist herrlich abwechslungsreich, gespickt mit Schönklängen, harmonisch unkonventionell in vielfältiger Instrumentierung gekonnt komponiert. Der spannungsvolle Songaufbau fesselt mich, führt mich durch leise und filigrane Talfahrten, in denen sich Bilder von schönen Erlebnissen vor meinem geistigen Auge abspielen, gefolgt von sich aufbrausenden Gitarren und Beckengetöse geht es hinauf zum Gipfel der Intensität. Ich genieße diese Fahrt und hätte gerne alle meine Sinne in dieses Erlebnis eingebunden: Auf einem Tiefflug die grandiose Landschaft Islands vor Augen, daneben ein Festmahl aus feinsten Speisen in einem Fünf-Gänge-Menü auf der Zunge, die Nase voll von Düften eines Rosengartens und ein wunderschönes Mädchen in meinen Armen.
Übertreibung? Ich kann mir nicht helfen, aber this is real - i can feel it - oh my god!
Hey, hey, hey die Kopfschmerzen sind weg, ist das lediglich auf die Schmerztablette zurückzuführen? Man weiß es nicht.
Zurück vom Ausflug durch die Sinne frage ich mich, um was für eine Art von Musik es sich handelt.
Es rockt zeitweilig gewaltig und kommt immer wieder in einem angenehm eingängig anmutenden Sound zum Fast-Stillstand. Radiotauglich ist "What a Great Force, What a Great City", für mich der Hit und gleichzeitig ein großartiger Popsong. Sphären geschaffen durch Streicher und Gitarrenflächen. Nanu? Flächen gespielt von Gitarren, das ist ein Postrockelement a la Sigur Ros. Emotionale Ausbrüche sind ebenfalls zu vernehmen, vor allem in "Don't Drink and Dial" - Emo. War's das etwa schon? Nein, ich bin noch nicht mit den Zutaten dieses Stilmixes fertig. Das Stück "Pattexpool" erinnert in der Gitarrenarbeit und den vielfältigen Rhythmuswechseln an Biffy Clyro, ein klarer Fall von Art Rock. Eigentlich wollte ich es mit der Nennung von ähnlich klingenden Bands nicht übertreiben, ich tue es aber trotzdem, um ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen. Zu erwähnen wären die großartigen Monochrome mit Pop auf der Zunge, Hardcore im Herzen, und Punk in den Füßen (OK, der Spruch ist nicht von mir ;). Der Gesang von Till Strauf erinnert mich an Thomas Hahn, den Sänger von Jettison. Zu guter Letzt mache ich mich noch unbeliebt und hoffe auf eine milde Strafe, denn einige Klavierpassagen könnten von Vanessa Carlton persönlich sein. Ja, ich bekenne mich öffentlich - ich mag ihre Musik!
Fazit: Das Potential dieser Band ist gewaltig! Endlich wieder einmal eine deutsche Band (Hamburg), die unsere stereotypische Musikwelt mit frischem Wind bereichert. Schade, dass keine Texte im Booklet und im Netz zu finden sind.
Eines verspreche ich Euch, Faraday werden auf der nächsten AUDIOASE Party spielen und wenn ich mein rechten Arm dafür hergeben muss ;)
Listen to Faraday on Myspace
Lucas hat geschrieben:






![Nihiling - m[e]iosis](http://www.audioase.de/images/covers/nihiling-meiosis_klein.jpg)
















